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SAT

Beschreibung

SAT ist das neue Zauberwort in der Gleitschirmszene. Der Name SAT kommt daher, dass dieses Manöver vom Safety Acto Team entdeckt und ins Leben gerufen wurde. Es handelt sich um eine Art Spirale, bei der sich der Pilot nicht wie bei der klassischen Spirale um den Schirm dreht, sondern sich der Drehpunkt in der Mitte der Leinen, zwischen Pilot und Gleitschirm befindet. Die Brüder Rodriguez (Esp) vom Safety Acro Team, kamen aus Zufall auf den SAT. Während dem Training für die Synchronspirale kamen sie sich zu nahe worauf sich der eine nach einem Ausweichmanöver in einer neuen und ihm unbekannten Figur wieder fand. Natürlich musste gleich ausprobiert werden, ob dies auch ein zweites mal funktioniert und dem war so. So entstand der SAT. Dieses Manöver öffnete die Tore zu neuen, noch nie gesehenen Figuren in der Akroszene. Das Tumbling zum Beispiel, ein nie für möglich gehaltenes Manöver, basiert auf dem SAT. Bestimmt folgen in nächster Zeit auch noch andere, neue Figuren. Die grossen Akroveranstaltungen wie das Red Bull Vertigo in Villeneuve (CH) werden es zeigen. Zurück zum eigentlich hier beschriebenen Manöver, dem SAT. Zu Beginn der Einleitung, entstehen erhebliche Kräfte. So wurde bei normaler Einleitung und einem Sinken von 11 m/s, eine Spitze von 3.6 G gemessen. Mit einer hardcore Einleitung sogar Spitzenwerte von 4.3 G. Während einem schön langsamen SAT aber, ist die Belastung viel geringer als bei der Einleitung und auch das Sinken nimmt (je nach Ausführung) bis auf unter 4 m/s ab. So ist es möglich, in starker Thermik den SAT ohne Höhenverlust zu fliegen. Was Aerodynamisch beim SAT passiert, ist nicht einfach nachzuvollziehen. Der SAT ist übrigens nur mit einem Gleitschirm und keinem anderen Fluggerät möglich. Durch die verschobene Drehachse und dem Rückwärtsflug des Piloten, ist ein langsamer SAT eine speziell schöne Figur. Von Laien meistens für eine Spirale gehalten und für den Piloten ein Vergnügen zum fliegen.

Einleitung

Der SAT wird über eine Kurve, oder aus einer leichten asymmetrischen Spirale eingeleitet. Wichtig bei der Einleitung ist, dass eine Drehbewegung vorhanden ist. Der Schirm wird in die Kurve gezogen, bis sich die Zentrifugalkraft schon deutlich bemerkbar macht, sich jedoch noch nicht in einer vollen Spirale befindet. Wird zu früh eingeleitet, ist zuwenig Druck vorhanden, wodurch das Risiko steigt, ungewollt in eine Vrille zu kommen. Befindet sich der Schirm schon in einer Spirale, ist der Kraftaufwand und die G-Belastung unnötig hoch bei der Einleitung. Vor allem am Biplace, ist wegen der noch höheren Belastung eine Einleitung kaum zu bewältigen, wenn zu lange gewartet wird. Um den Schirm in einen SAT zu bringen, wird an der kurvenäusseren Seite die Traggurte voll nach Aussen gedrückt. Dies, um das Gewicht des Piloten ganz auf die kurveninnere Seite verlagern zu können und auch, um am Schirm auf der kurvenäusseren Seite etwas an Stabilität zu geben, sowie ein Eintwisten zu erschweren. Anschliessend wird an der Bremse auf der kurveninneren Seite dosiert nachgezogen, bis der Gleitschirm von der Kurve in den SAT übergeht. Dieser Übergang beinhaltet eine Drehbewegung, bei der die Flügelhälfte, die in der Kurve zuerst unten ist, sich im SAT nach oben dreht. Dies ist die heikle Phase bei der Einleitung. Wird die Bremse zu stark gezogen, dreht sich der Schirm zu weit und gerät in eine schnelle Vrille welche häufig mit einem Twist endet. Nach gelungener Einleitung kann die Bremse weiter nachgezogen werden wodurch der SAT langsamer, das Sinken geringer und die G-Belastung schwächer wird. Bei lang eingestellten Bremsen, muss meistens gewickelt werden, weil sonst zuwenig Weg zur Verfügung steht.

Stabilisieren

Um den SAT zu halten, muss die Bremse gezogen bleiben und auch die Gewichtsverlagerung beibehalten werden. Ein SAT kann endlos geflogen werden.

Ausleitung

Zur Ausleitung gibt es wesentlich weniger zu 'texten', wie bei der Einleitung. Die Bremse wird nachgegeben und die Traggurte langsam losgelassen. Zum stabilisieren wird mit der kurvenäusseren Bremse, nach dem loslassen der Traggurte, der Schirm etwas gestützt mit der Bremse. Danach geht der Gleitschirm selbständig wieder in die Spirale über, welche normal ausgeleitet werden kann. Der SAT sollte zügig ausgeleitet werden. Je langsamer die Ausleitung erfolgt, desto mehr Zeit hat der Schirm sich dabei in eine heftige Spirale zu "fressen".

Gefahren

Der Einleitung muss klar am meisten Aufmerksamkeit geschenkt werden. Man kann sich an den heiklen Punkt herantasten, wo der Schirm in einen SAT übergeht, indem zu Beginn die Bremse nur wenig gezogen wird. Dabei kann nichts weiter passieren, als das der Schirm in eine Spirale kommt. Es muss aber ausdrücklich davor gewarnt werden, den SAT zu erzwingen, indem zu früh und zu stark an der Bremse gezogen wird. Nicht selten kann so eine sehr schnelle Vrille beobachtet werden, die häufig ein Eintwisten nach sich zieht. Beginnt der Gleitschirm nicht zufällig wieder zu Fliegen, bleibt mit einem Twist nur noch der Notschirm. Die G-Belastung ist während der Phase des Einleitens und bei der Ausleitung am stärksten. Es muss mit erheblichen Kräften gerechnet werden, auf dem Arm beim raus drücken der Traggurte und (vor allem beim Biplace) auch auf der Bremsleine. Als Folge der starken Belastung, sind Muskelzerrungen an den Armen bekannt. Eine gute körperliche Verfassung, allgemein bei Akro, ist eine wichtige Voraussetzung. Der SAT lässt sich einfacher fliegen, mit Schirmen mit wenig Streckung. Bei Hochleistern ist häufig eine Verformung des Schirmes zu sehen, oder ein flattern bei der unteren Flügelhälfte, was aber nicht weiter tragisch ist. Der SAT ist bei Beachtung der wichtigsten Grundregeln und nicht zu 'draufgängerischer' Ausführung, ein recht sicheres Manöver. Wie alle Akrofiguren sollte aber auch der SAT das erste mal im Rahmen von einem Sicherheitstraining und unbedingt mit genügend Höhe geübt werden. Voraussetzung für den SAT ist der kontrollierte Umgang mit einer stabilen Steilspirale. Nach der Ausleitung muss damit gerechnet werden, dass sich der Schirm in einer stabilen Steilspirale befindet.

Häufige Fehler:

  • Zu früher/starker Zug auf der Bremse bei der Einleitung -> Vrille -> Twist (-> Notschirm).
  • Pilot wird durch stark zunehmende Kräfte bei der Ausleitung überrascht

Anmerkung:

Am 11.07.2003 ist der Deutsche Gleitschirmpilot Meik in Castelluccio tödlich verunglückt. Laut Aussagen von Freunden hatte er sich in den Kopf gesetzt, den SAT auf eigene Faust erlernen zu wollen. Die Informationen dazu holte er sich, nebst der Befragung von anderen Piloten, von der Beschreibung auf dieser Seite. Die Auswertung des Unfallherganges ergab, dass Meik höchstwahrscheinlich nach der Ausleitung des SAT, sich in einer stabilen Steilspirale befand, welche er nicht mehr auszuleiten vermochte. Wir vom Paragliding-Davos Team möchten unser aufrichtiges, tiefes Beileid aussprechen an alle Hinterbliebenen von Meik. Natürlich haben wir uns lange Gedanken über Sinn und Unsinn dieser Figurenbeschreibungen gemacht. Schlussendlich denken wir aber, überwiegen die Vorteile, diese Informationen zur Verfügung zu stellen. Ganz nach dem Leitsatz in unseren Sicherheitshinweisen: "Profitiere von den Erfahrungen Anderer. Es ist nicht nötig, dass jeder alle schlechten Erfahrungen selber machen muss!!" In diesem Sinne hoffen wir, mit dieser Arbeit mehr Unfälle verhindert, als gefördert zu haben.

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